Senioren fragen Ticken Flüchtlinge anders?

Ticken Flüchtlinge anders?
Sie, Alt und Jung, kommen nach Europa, geflohen vor Krieg, Verfolgung, Misshandlung; sie haben Erwartungen, suchen Schutz und Hilfe, um ein menschenwürdiges Leben führen zu können. Sie verabschieden sich möglicherweise auf Dauer von ihrer Familie, ihren Freunden und ihrer Existenz. Sie kommen voller Hoffnung und guten Willens.
Sie sind in Europa!
Hier erfahren sie knallhart, dass die gewohnten Lebensumstände – ohne anzuecken – nicht fortzusetzen sind. Langwieriges Durchlaufen eines Behördenwirrwars, Sammelunterkünfte und damit verbundene ethnische Konflikte, manches Mal Ablehnung durch die hier einheimische Bevölkerung. Träume zerplatzen, und nicht nur, weil man sich von Schleusern beeinflusste unrealistische Vorstellungen gemacht hat.
In Deutschland wird erwartet, dass sie sich anpassen. Woran?
Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, d.h. Einhalten von Terminen und Absprachen; pflegliches Behandeln der ihnen zum Gebrauch überlassenen Gegenstände des täglichen Lebens, also Zerlegen des Parkettfußbodens, Stehenlassen reparierbarer Fahrräder, Verschmutzen von Kochplatten durch ständiges Überkochen, verstopfte Abflussrohre, mangelndes Lüften des Wohnraums mit entsprechender Schimmelpilzbildung usw. sind zu vermeiden.
Sie sind in ihren Heimatländern unter anderen Lebensumständen aufgewachsen. Dort war die Familie wertbestimmendes Element und bot Rückhalt. Mit den Europa bestimmenden Werten wie Leistungs gesellschaft und wirtschaftliches Verhalten waren die Wenigsten zuvor konfrontiert. Besonders diejenigen im unteren Bildungsbereich müssen deshalb länger begleitet und angeleitet werden als andere, damit sie verstehen, was in unserer Gesellschaft erwartet werden kann. Ein Schonprogramm wegen etwaiger Traumatisierung scheint nicht angebracht. Sie müssen frühzeitig die deutsche Sprache lernen. Dann kann Arbeitsvermittlung und Jobsuche anschließen, beides zusammen wäre noch besser. Zur Sprachvermittlung gehört neben dem Sprechenlernen das Begreifen von Sprachinhalten. Hieran mangelt es vielfach. Frust kommt auf, wenn deshalb berufsbezogene Praktika abgebrochen oder erfolglos beendet werden. Aber nicht nur die Sprache ist eine Hürde. Die schulischen Kenntnisse in  mathematischen und naturwissenschaftlichen Fächern sind oft lückenhaft und weichen von den Standards in Deutschland erheblich ab. Es fehlt oft der Sinn für logisches Denken und auf die Zukunft ausgerichtetes zielorientiertes Handeln. Das beeinflusst nicht nur die Ausbildung, sondern teilweise auch die Abläufe des täglichen Lebens. Manch einer betrachtet sich bereits als Verlierer, weil ein durchaus erfolgreich abgewickeltes Praktikum aus betriebsbezogenen Gründen nicht in einen direkten Lehrvertrag mündet.
Seit dem Flüchtlingsansturm vor 2 Jahren geht die Integration äußerst schleppend voran. Es ist wünschenswert, die nebeneinanderher laufenden Verwaltungsverfahren konzentrierter und verständlicher zu gestalten; für die Ausländer, denen in der Zwischenzeit ein Bleiberecht zuerkannt worden ist, müssten auf sie abgestimmte Ausbildungsmöglichkeiten mit Zukunftsperspektiven angeboten werden. Die Meisten haben bereits einen Integrationskurs in Deutsch hinter sich. Bei einer Ausbildung im dualen System könnte z.B. einer oder mehreren nach Gewerken ausgerichteten Lehrwerkstätten für das erste Lehrjahr die berufsbezogene Ausbildung mit integriertem Deutschunterricht zentral  übertragen  und danach die normale berufliche Ausbildung in den Betrieben fortgesetzt werden.                                  Ja, Flüchtlinge ticken nicht immer unserer Erwartungshaltung entsprechend, sie ticken oft anders. Deshalb sollte zu beiderseitigem besseren Verständnis und Umgang miteinander mit Nachdruck der Integrationsprozess vorangebracht werden.                                              Franke

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