Vortrag der 1. Vorsitzenden des Seniorenbeirates vor dem Bildungs-und Sozialausschuss der Gemeinde Heikendorf

Fachtagungen der BAGSO e.V.

(Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen)                                                                             9. März in Berlin, 10. Mai in Neumünster

Gesundheitsförderung im Alter

Das Thema fügt sich ein in die Empfehlungen des 7. Altenberichts der BReg
zur „Sorge und Mitverantwortung in der Kommune – Aufbau und Sicherung zukunftsfähiger Gemeinschaften“. Den Kommunen wird eine nachhaltige Seniorenpolitik nahegelegt, um den vielfältigen Lebenslagen älterer Menschen zu begegnen und zu einem möglichst selbstbestimmten Leben im Alter beizutragen. Dabei wird auf die strukturellen
und inhaltlichen wie auch auf die finanziellen Rahmenbedingungen hingewiesen. Ziel der Politik aber auch eines jeden Einzelnen ist das Erreichen eines Optimums an Lebensqualität und die Bereitschaft, für sich das Beste daraus zu machen. Dazu gehört das Erhalten der eigenen Mobilität, gesundes Essen, gesunde Ernährung zusammengefasst:
der Erhalt der Gesundheit.                                                                                                                  Die WHO (Weltgesundheitsorganisation) definiert Gesundheit als körperlich, seelisch-geistiges und soziales Wohlbefinden, das die Fähigkeit einschließt, sich mit Belastungen, Einschränkungen, Behinderungen im körperlichen, aber auch im seelisch-geistigen Bereich auseinandersetzen zu können.                                                                                      Jeder möchte bis ins hohe Alter gesund bleiben, d.h. nicht pflegebedürftig werden. Das wird schwierig, wenn man sein Leben zuvor extensiv genossen hat. Die in der Jugend begangenen Sünden schlagen im Alter oft zurück. Bin ich in jungen Jahren zu einem fettleibigen Kind herangezogen worden, so setzt sich das bis ins Alter fort mit dadurch bedingten Folgen wie Bluthochdruck, Diabetes, Osteoporose, Gelenk- und Wirbelsäulenproblemen und auch Tumorerkrankungen.
Altern ist ein lebenslanger Prozess von der Geburt an, aber wie lebenswert altern?
Jeder mag je nach aktueller Lebenssituation unterschiedliche Schwerpunkte setzten. Einigkeit besteht darin, dass Bewegung und soziale Kontakte ein entscheidender Faktor für Teilhabe sind, die zu Wohlbefinden führen. Wir wissen,  dass dabei eine Rolle spielen: die soziale Schicht, in die man hineingeboren wurde; familiäre soziale Lebensumstände;
Bildungs- und Berufswege. Sind diese Faktoren negativ belegt, ist oft der Weg fürs Alter vorgezeichnet und somit auch die Lebenserwartungen. Natürlich muss man sich damit nicht abfinden.   Um mit Prof.Dr. Ursula Lehr zu sprechen:
Langlebigkeit verpflichtet den Einzelnen, aber auch die Kommunen, die für ein lebenswertes Alter Voraussetzungen schaffen sollten. Dazu später.                                            Was kann der Einzelne tun?   Eigentlich zwei Binsenweisheiten.
Sich viel bewegen, wie bereits angemerkt und sich gesund ernähren.
Man weiß, dass der Körper mit fortschreitendem Alter zunehmend an Muskelmasse und Muskelkraft abbaut. Ab 5o Jahren schwindet die Muskelmasse um ca. 1 -2%/a. Die Muskelkraft schwindet zwischen 50 und 60 Jahren um 1,5%/a, danach um ca. 3%/a. Das führt zu funktionellen Einschränkungen, die wiederum Gebrechlichkeit bedeuten und Stürze mit Knochenbrüchen diverser Art zur Folge haben können. Muskelabbauende Prozesse überwiegen im Alter. Schuld daran ist eine Unterversorgung mit Protein. Der Muskel wird von Fett- und Bindegewebe durchsetzt. Muskel-/Krafttraining hilft dagegen nur bedingt.  Menschen mit  Mangel- oder Fehlernährung erkennt man häufig an einem verlangsamten Gang. Man gucke sich mal auf der Dorfstraße in Heikendorf  um!
Der durchschnittliche Energiebedarf bei mobilen Senioren beträgt 15% Protein, 30% Fett, 55% Kohlehydrate/Tag, bei nicht mobilen Senioren weniger. Ursache für eine quantitative Mangelernährung ist, dass die aufgenommene Energie langfristig geringer war als der Bedarf oder qualitativ ein Mangel an Eiweiß, Vitaminen und Spurenelementen bestand. Grund dafür können normale altersphysiologische Veränderungen sein, aber dann auch Kau-und Schluckbeschwerden durch Veränderung des Kiefers, Schlaganfall, Depression (mangelnde Motivation zu essen) Demenz (Vergessen zu trinken und zu essen, geringer Erkennungswert der Speisen). Der Geschmackssinn verändert sich. Hinzu kommt das nachlassende Durstempfinden im Alter, 1,5-2l/tag sollte man trinken.
Auch Altersarmut ist ein Faktor, die Betroffenen versorgen sich mit geringeren Mengen und qualitativ schlechteren Nahrungsmitteln.
Aus Essbiografien lassen sich gut Mangelernährungen ableiten:
-Herkunft, Religion, ethnische Besonderheiten, Beruf,
-Essrituale zu besonderen Anlässen
-Verteilung der Mahlzeiten über den Tag                                                                                            -Abneigungen, Unverträglichkeiten
-Krankheiten

Jeder 12.der über 60-Jährigen in Deutschland leidet an Mangelernährung. Davon befinden sich 41% in stationärer und 37% in ambulanter Behandlung (in stationären Einrichtungen wird oft zu wenig oder ungeeignetes Essen und Trinken angeboten,
das betrifft auch die häusliche Versorgung). [Seniorenliga+MDK]
Jeder Einzelne steht in der Verantwortung, besonders da die Lebenserwartung der Menschen Männer durchschnittlich 78,3 Jahre, Frauen 83,1 Jahre beträgt und zunimmt.

Hier sind auch die Kommunen in puncto Daseinsvorsorge gefordert, Grundlagen für mehr Lebensqualität zu schaffen. Für Menschen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, ist die Beseitigung von Barrieren innerhalb und außerhalb der Wohnung wichtig
und Voraussetzung für ein möglichst selbständiges Leben bis ins hohe Alter. Die erreichbare Nähe von Einkaufsmöglichkeiten des täglichen Bedarfs, Ärzte, Apotheken, Post ist sicherzustellen, die Teilhabe  an kulturellen Angeboten. Wie steht es um die
Erreichbarkeit des öffentlichen Nahverkehr. Bestehen ausreichende Angebote für altersgerechten und bezahlbaren Wohnraum. Reicht das Angebot an ambulanter und stationärer Pflege und deren Qualitätsmanagement ?

In Deutschland gibt es ca. 2,9 Mio.Pflegebedürftige (3,5% der Gesamtbevölkerung,in S-H  89 428).
Die Gruppe der  75-84 -Jährigen  machen   14,1 %   aus, aber  85,9 % bestreiten ihren Alltag  noch kompetent und  eigenständig;
von den  über  89-Jährigen  sind  66,1 %  pflegebedürftig, jedoch 33,9 %  leben selbständig!

Die überwiegende Zahl der Pflegebedürftigen wird  zu Hause gepflegt ( 2.076.877), allein durch Angehörige (1.384.604) also über 50%.
Die demografischen Entwicklung auch in Heikendorf, Anteil der Senioren über 60 Jahre beträgt nahezu 40% der Gesamtbevölkerung, verpflichtet geradezu die Entscheidungsträger, die Bedürfnisse der Senioren- ob krank oder gesund- im Blick zu behalten.

Franke

Teilen:
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.