Diskriminierung im Alter

Auf Einladung des Seniorenbeirates Heikendorf stellte die Bürgerbeauftragte für soziale Angelegenheiten des Landes Schleswig-Holstein und gleichzeitige Leiterin der Antidiskriminierungsstelle- Frau Birgit Wille- ihren Tätigkeitsbereich vor. Das Amt der Bürgerbeauftragten wurde von der Landesregierung am 1.10.1988, also vor 25 Jahren eingerichtet. Seit dem 1.1.2013 kam die Landesstelle für Gleichbehandlung gegen Diskriminierung hinzu mit der Aufgabenstellung, die Bevölkerung bzgl. Diskriminierung zu sensibilisieren und zur Prävention vor Diskriminierung beizutragen. Hierzu dienen Information, Beratung und Unterstützung z.B. gegen Benachteiligungen aus Gründen der Rasse, der ethnischen Herkunft, der Religion und Weltanschauung, des Geschlechts und u.a. auch des Alters.

Eine gerechtere Teilhabe jüngerer und älterer Menschen am Leben muss unsere gesellschaftliche Diskussion bestimmen und wird das Hauptziel der künftigen Arbeit sein, sagt Frau Wille.

Die demographisch bedingt schrumpfende Bevölkerung muss zwangsläufig eine aktive Einbindung älterer Menschen in das Erwerbsleben zur Folge haben. Man müsse sich mit den Altersbildern der Vergangenheit auseinandersetzen und sie daraufhin überprüfen, ob sie noch der Realität entsprechen. Die Frage, wann jemand alt ist, lässt sich nicht mehr so leicht beantworten. Das Altern ist fließend. Der jeweils Lebensältere im Vergleich zum Jüngeren ist der Ältere .Das sagt jedoch nichts über die Lebensqualität aus. Es ist nicht jeder, der alt ist, schon als pflegebedürftig anzusehen. 65-Jährige sind durchaus vital und leistungsfähig. Sie möchten sich noch nicht auf ein Lebensabstellgleis abgeschoben wissen. Altersgrenzen im Renten- und Tarifrecht seien daher kontraproduktiv. Warum sollen fitte ältere Menschen, die über hinreichendes Erfahrungswissen verfügen, nicht über die gesetzlichen Altersgrenzen hinweg weiter arbeiten dürfen? , wenn entsprechende gesetzliche Rahmenbedingungen geschaffen würden.

Es kann aber auch nicht sein, dass ein 48-Jähriger bis zur Erlangung des Rentenalters keinen Arbeitsplatz mehr findet. Ein Umdenken in der Wirtschaft, die in diesem Zusammenhang langsam reagiere, sei notwendiger denn je. Umschulungsmaßnahmen, Fort- und Weiterbildung im Betrieb oder die Qualifikation über eine neue Berufsausbildung könnten Abhilfe schaffen.

Zu fordern sei, dass eine lebenszyklusorientierte Personalpolitik betrieben wird. Einige Großbetriebe bemühten sich bereits um ein „age management“ . Aber der Nachholbedarf auch bei Mittel- und Kleinbetrieben sei groß. Am weitesten fortschrittlich sei der öffentliche Dienst.

Staunen rief bei den Zuhörern folgender Fall hervor: Die Hundehafttpflichtversicherung einer 70-jährigen Halterin eines 16 Jahre alten Hundes verlangte eine Prämieerhöhung. Grund hierfür war nicht etwa eine von dem Hund ausgehende zusätzliche Gefahr sondern das Alter der Hundehalterin!?

Ein wesentliches Anliegen in der Zukunft wird nach Auffassung von Frau Wille die Kommunikation zwischen Jung und Alt sein, wobei die Lebensälteren auf die Jugend zugehen müssten und nicht umgekehrt. Ihr Arbeitsmotto „ mittendrin in jedem Alter“ soll das unterstreichen. Das Fazit des Vortrags von Frau Wille war, dass unsere Gesellschaft das bisher gepflegte negative Denken über das Alter ablegen und vielmehr die positiven Aspekte diskutieren sollte, nämlich die Chance und das Glück, heutzutage älter werden zu können. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass heute jedes 2. Kind die Chance hat, 100 Jahre alt zu werden.

In der Diskussion mit den Zuhörern wurden noch viele andere Themen angesprochen wie z.B. alternative Wohnformen. Bedauerlicherweise ließ die Beteiligung an der Veranstaltung mit 20 Zuhörern zu wünschen übrig. Das Thema Antidiskriminierung sollte jedoch jeden angehen, nicht nur  Senioren beschäftigen.

Karla Franke 1. Vorsitzende

 

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